|
Stand: 28.09.2003 |
|
Kurzbeschreibung: Ein- oder Zweitagestour durch eine herrliche Bergwelt. Die
Anfahrt kann mit dem PKW oder der Bahn bis Andermatt erfolgen,
das Ziel ist Chur. Von dort empfiehlt sich die Rückfahrt
mit der Furka-Oberalp-Bahn durch den 400 m hohen Felscanyon des
Hinterrheins bis Disentis oder sogar bis auf den Oberalppass.
Abfahrt bis Andermatt mit dem Rad.
![]()
Ausgangspunkt unserer Tour ist das wunderschön gelegene
Andermatt. Verkehrsgünstig liegt es oberhalb der Teufelsbrücke
im breiten Urnertal auf über 1400 Meter Höhe.
Von Andermatt aus startet die Tour auf der Straße in
Richtung Disentis. Der Radweg führt rechts der Straße
auf einer eigens abgetrennten Spur vorbei an der schönen
Kapelle Mariahilf. Wer nicht nur seinen Vorderreifen anschauen will, hält
hier an und genießt die Sicht nach Westen ins Urnertal.
Rechts und links umrahmen die bis über 3000 m hohen Berge
das lange, ebene Tal. Am hinteren Teil überragt das Furkamassiv
mit seinen bis über 3500 Meter hohen Bergen die Idylle Die Radwegbegrenzung verliert sich nach dem Ortsschild und man fährt direkt auf der Straße. Die meisten Autofahrer lenken ihr Gefährt rücksichtsvoll, aber es gibt auch die Verbissenen, die mit festgekralltem Lenkrad jede noch so kurze freie Stelle zum Überholen nutzen, ohne den Gegenverkehr zu beachten. Arme Irre, kein Blick und kein Sinn für die Landschaft! Was tun diese Menschen hier?
Serpentine um Serpentine radeln wir geduldig hoch. Zwischen
8 und 10 km/h kommen wir voran und saugen die alpinen Eindrücke
in uns auf. Auf 1842 m Höhe passieren wir eine Haltestelle der Bahn. Vom Parkplatz darunter genießen wir die herrliche Aussicht. Nach Osten erscheinen nun in Richtung des Passes drei ganz markante Bergspitzen.
Mit mäßiger Steigung führt die Straße jetzt direkt auf den Pass zu. Schon sieht man den kilometerlangen Schutztunnel, der Schiene und Straße vor abstürzendem Geröll schützt. Unsere blinkenden Rückstrahler schützen uns im Halbdunkel des Tunnels vor den mit ungebremster Geschwindigkeit durchrauschenden Fahrzeugen.
Neben dem Tunnel erstreckt sich der kristallklare Oberalp-See, dessen Abfluss nach Westen in Richtung Andermatt liegt. Er wimmelt von Fischen und verlockt durch seine Klarheit zum Fußbad.
![]() Panorama Oberalpsee laden(200kB) Benötigt Apple-Quicktime
![]() Panorama nach Osten laden(200kB) Benötigt Apple-Quicktime
Die Passhöhe selbst liegt am Ende des Sees und wird vom Bahnhof der Furka-Oberalp-Bahn und zwei gut besuchten Gaststätten markiert.
Weil es Mittagszeit ist, gönnen wir uns nach dem Gipfelfoto eine Pasta und ein Apfelschorle, das wir uns selbst aus Apfelsaft und Mineralwasser mischen.
Nach dem Pass erreichen wir das Rheintal. Bis nach Reichenau
gibt es zwei Rheinarme, die ab dort den eigentlichen Rhein bilden.
Der Vorderrhein entspringt kaum 200 m über dem Oberalppass
im früheren Gletschergebiet des Vorderrheingletschers. "Lai
da Toma" heißt die Firnmulde, in der sich das erste
Wasser des Vorderrheins sammelt und bergab fließt; in kaum
zwei Wanderstunden vom Pass aus erreichbar.
In vielen Kehren radeln wir nun bergab, nur gebremst vom Eindruck
der herrlichen Landschaft! Glücklicherweise fotografieren wir digital, so dass es auf ein Bild mehr oder weniger nicht ankommt. Die eigentlichen Kosten enstehen erst beim Ausdruck.
Nach einigen Kehren erreichen wir den Ort Tschamut, der auf einem Hügelkamm liegt und dessen markante Holzhäuser richtige Bergstimmung aufkommen lassen. Wieder geht es in Serpentinen weiter talabwärts. Die Bremsen und die Federung müssen hier alles geben. Die Tachoanzeige unserer Mountainbikes wandert schon über die 60 km/h Grenze! Nach einer engen Linkskurve weitet sich das Tal etwas und die Straße wird breiter. Hier beginnt die Wintersporttouristik: Riesige Liftanlagen und entsprechende Parkplätze sind das Erkennungszeichen. Der nächste Ort heißt Rueras. Hier mischen sich unter die althergebrachten Holzhäuser die schnell erstellten Hotels der Wintersportler.
Der Radweg führt auf der sehr gut ausgebauten Straße weiter. Allerdings herrscht hier starker Verkehr und die Randbegrenzungen für Radfahrer fehlen, also Vorsicht!
In nächsten Ort, in Sedrun, erkennt man sofort den touristisch erschlossenen Wintersportort mit den typischen Appartements, Hotels und Pensionen. Hier öffnet sich das Tal und man genießt eine weite Aussicht nach Osten.
Am Südhang oberhalb der Talsohle strahlt das ehemalige, gelbe Benediktinerkloster im Sonnenlicht. Bereits im Jahre 700 wurde der Ort von Sigisbert, einem Eremiten
gegründet. Das Kloster wurde 750 nach Christus als "Desertina"
gegründet und entwickelte sich bald zum Kulturzentrum des
Gebietes.
An der Hauptkreuzung in der Ortsmitte zweigt der Radweg ins
Tal ab. Zum Glück wird er ab jetzt auf Feld- und Wirtschaftswegen
ausgeschildert. Die Strafe für die Talfahrt ereilt uns sofort. Ein Schild
teilt uns mit, dass wir auf den nächsten 9 km 280 Höhenmeter
bergauf zu radeln haben. Aber die Ausblicke vom Hang auf das Tal entschädigen uns für den Anstieg. Durch einen kleinen Ort mit romantischen Holzhäusern und einer typischen Bergkirche erreichen wir wieder den Weg ins Tal.
Nur kurz führt der Radweg durch die Talsohle, dann steigt
er auf einem schlechten Feldweg wieder an. Glücklicherweise
radeln wir mit Mountainbikes, ein Trekkingrad hätte hier
schon Mühe.
Über Holzplanken erreichen wir die andere Seite und radeln weiter am Berghang entlang. Eine letzte steile Abfahrt und wir sind im Tal. Von hier aus steigert sich die Qualität des Radweges deutlich. Auf einem asphaltierten Weg erreichen wir Surrein und gönnen uns eine Pause mit Apfelschorle. Junge Kälber grasen auf einer Weide in der Ortsmitte.
Jedes hat brav sein Nümmerli im Ohr. Hier ist die Welt noch
in Ordnung. Auf der rechten Rheinseite radeln wir auf einem Feldweg durch pure Natur am Flussufer weiter. Teilweise führt der Radweg durch Buschwälder. Hier begegnen wir dem ersten Radfahrer, der ebenfalls den ausgeschilderten Radweg benutzt.
Über eine weitere Brücke erreichen wir Trun und radeln kurz auf der linken Flussseite weiter. Im Ort ist der Hof der Äbte sehenswert. Er ist heute Bezirksgericht und Museum. Ein offizielles Hinweisschild "warnt" uns vor der
schlechten Beschaffenheit der kommenden Etappe und empfiehlt
als Alternative die Bahn oder die Landstraße. In Tavanasa zweigen wir kurz vor der Eisenbahnbrücke
wieder nach rechts auf den beschilderten Radweg auf die rechte
Rheinseite ab.
Ilanz liegt auf einem Hügel und ist durch die Reste seiner
früheren Befestigungen schon aus der Ferne erkennbar.
Der Radweg folgt auf der rechten Rheinseite der Straße nach Castrisch leicht bergauf. Von hier aus sieht man die steilen Felswände der Schlucht, der Rhein liegt aber unsichtbar tief im Tal. Wir stehen hier am Fuß der Reste des größten Bergrutsches der Alpen. Vor 14.000 Jahren stürzten hier riesige Felsmassen ins Rheintal und verschütteten das Tal. Über die Jahre grub sich der Rhein durch die Schuttmassen einen bis zu 400 m tiefen Canyon, der aber so schmal ist, dass nur der Fluss und die Bahn Platz finden.
Die wenig befahrene Landstraße nach Valendas führt
bergauf und erreicht nach gut hundert Höhenmetern den romantischen
Ort.
Glücklicherweise besitzt der Ort eine Gaststätte, in dem das Wort "Apfelschorle" verstanden wird und wir begießen den heißesten Tag im August (34°C). Nach Valendas steigt die Straße noch einmal kräftig an und wir erreichen in einem Wald die höchste Stelle. Die Abfahrt nach Versam tut uns gut und wir glauben durch den Wald einen grün schimmernden See zu erkennen. Er entpuppt sich als Wiese, die im Halblicht der Bäume nur so schillert.
Am Ortsende zweigt der Radweg auf eine steil abfallende Straße
ins Rabiusatal ab. Weit über 10% Gefälle hat die Straße
und wir rauschen durch die herrliche Landschaft ins Tal. Auf einer Stahlbrücke genießen wir den Ausblick
in das wildromantische Felsental.
Die Krönung naht aber an einer Kehre: Von hier bietet
sich ein gewaltig schöner Blick in den Canyon des Hinterrheins.
Wie die Ardeche in Frankreich fließt er urgewaltig durch
einen hunderte Meter hohen Canyon.
Natürlich klickt der Foto unaufhörlich, denn jeder Blick zeigt noch Schöneres, noch Gewaltigeres. Die Zeit drängt! Wohl sind wir schon über 90 km geradelt und haben mehr als 1000 Höhenmeter hinter uns, aber die Uhr zeigt schon halb Acht und wir wollten zu dieser Zeit schon in Chur sein. Die Straße führt nun im Wald weiter, durchquert
aber eine Baustelle mit Schotterbelag. Ein "Hiesiger"
will es uns zeigen und überholt uns in dieser Gefahrenzone. Die schnurgerade Straße führt direkt nach Bonaduz. Auf der Landstraße geht es weiter bergab in Richtung Reichenau. Kurz vor dem Ort unterqueren wir die Eisenbahnbrücke und erreichen die Brücke über den Hinterrhein. Von hier aus sieht man den Zusammenfluss von Hinterrhein und dem von Thusis her kommenden Vorderrhein. Beide stoßen mit Urgewalt gegeneinander und fließen dann im rechten Winkel nach Chur hin bergab.
Hier ist der Rhein kanalisiert und verliert seinen wildromantischen Charakter. Brav in sein Bett gebannt geht es von hier aus mit wilder Strömung bergab. Der Radweg führt meist auf dem Hochwasserdamm entlang. Wir folgen der Beschilderung nach Domat/Ems und erreichen nach einigen Kilometern Chur.
Südliches, fast italienisches Flair umgibt die alte Stadt.
Chur ist die älteste Stadt in der Schweiz. Heute sind die herrschaftlichen Straßen und die zahlreichen
Kirchen und Profanbauten, die Straßenzüge und die
winkeligen Gassen sehenswert.
Den heutigen Tag beschließen wir nach einem verdienten Essen und einem Mojito (kubanischer Modetrink) und freuen uns schon auf die Rückfahrt durch den Rheincanyon am nächsten Tag.
|
![]()
![]() |
||||||||||||||
|
|