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2. Etappe: Von Chur bis Bernadino
Nach Chur zweigt die Tour nach links ins Tal des Hinterrheins bei Rothenbrunnen ab und erreicht Thusis.
Die landschaftlich schönste Strecke führt von hier
durch die steilen Schluchten der Via Mala hinauf zur Roffla-Schlucht
und weiter über die Talsperre "Sulfner See" hinaus
nach Splügen.
Durch das Hochtal des Rheins fuhren wir über Nufenen zum
Fuss des Bernadino-Passes bei Hinterrhein auf die Höhe von
1600 m.
Auf unendlich vielen Serpentinen beginnt der Aufstieg über
den eigentlichen Pass (2066 m).
Übernachtung in Bernardino.
Fahrzeit: ca. 6 Stunden
Strecke: 72 km
Höhenmeter: 1670 m
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Radwegnetz

Wir gehen - wie geplant - bereits um 7.30 Uhr zum Frühstücken.
Der Tag soll ganz den Pässen und den Höhenmetern gehören!
Im Frühstücksraum erwartet uns ein umfangreiches Buffet
mit Müsli, Käse, Schinken - genauso, wie Alpenradler
dies erwarten.
An der Theke sitzen allerdings schon zwei Einheimische, die schon
- oder noch - etwas schwankend ein Weizenbier einfahren.
Sie hatten die Nacht beim Churer Stadtfest durchgemacht und beäugten
uns wie chinesische Kühe, weil wir schon zu dieser frühen
Zeit sportlich und dynamisch erschienen.
(Bild
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Vor dem Hotel ließen wir uns von einer jungen Dame fotografieren.
Das letzte Bild vor der großen Anstrengung!
Auf der Straße verließen wir Chur in Richtung
Domat. Nach einem guten Kilometer zweigte nach links der Radweg
ab (beschildert mit Radweg 6) und folgte einem gepflegten Wirtschaftsweg.
Vor Domat (Bild
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Das Rheintal ist hier schon relativ schmal und die Berge rechts
und links sind recht dominant.
Am Ortseingang von Domat folgten wir der Beschilderung nach
links und durchquerten ein Neubaugebiet. Leicht bergauf erreichten
wir die Zufahrtsstraße zum Golfplatz und radelten dann
am Wald entlang, etwas hügelig, auf einen Vorberg der Alpen
zu. Der Fahrbahnbelag war nur gewalzt, ließ sich aber gut
befahren.
Durch die Steigung begann unser Gepäckträger stark
zu wackeln und die Befestigungsrahmen der Taschen streiften bei
starken Wippbewegungen am Mantel der Räder.
Zuviel Gepäck - wie immer!
Plötzlich verzweigte sich der Weg und unsere Zielrichtung
führte steil bergauf. 16 bis 17 % zeigte der Höhenmeter,
zur Not lässt es sich noch radeln, aber noch übler
war der Fahrbahnbelag.
Er besteht hier aus lockerem Schotter und zwingt uns, für
ein kurzes Stück abzusteigen.
Gut hundert Höhenmeter ging es bergauf, dann folgte der
Radweg, wieder fast eben, dem Bergmassiv in Richtung Rothenbrunnen.
Blanke Felswände (Bild laden)
Über uns die blanken Felswände!
Ein recht schöner Ausblick bietet sich auf den Hinterrhein
hinunter und auf das gegenüberliegende Bonaduz.
Nur ein einsamer Reiter - stilgerecht in Cowboykleider verpackt
- begegnete uns. Unser Fahrweg wurde wieder breiter und berührte
einige Gehöfte, dann ging es bergab nach Rothenbrunnen.
Rothenbrunnen ist bekannt für sein gutes Wasser. Beim
Kursaal kann an einem Brunnen das eisenhaltige Wasser getrunken
werden. Abfüllen in Flaschen ist problematisch! Zumindest
in Aluminiumflaschen fällt das enthaltene Eisen aus, das
Wasser bekommt einen metallischen Geschmack und färbt sich
rötlich!
Wir tranken vor Ort an dem Brunnen und drückten den Selbstauslöser.
Rothenbrunnen (Bild laden)
Hinter Rothenbrunnen ging es nochmals etwas bergab. Nach der
Kreuzung mit einer Landstraße war unsere Fahrspur wieder
ein schöner, asphaltierter Wirtschaftsweg. Links von uns
erhoben sich mehrere Bergsporne, die meist mit Dörfern und
Kirchen bebaut waren.
Der höchste der kleinen Berge beherbergt sogar ein fürstbischöfliches
Schloss.
Bei Fürstenau (Bild laden)
Nach Fürstenau wechselten wir auf die rechte Rheinseite.
Vor uns lag jetzt Thusis.
Schemenhaft konnten wir schon den Einschnitt der Viamala erkennen.
Es war jetzt 11.00 Uhr und Zeit für eine kleine Pause mit
Apfelsaftschorle und Spinatkuchen.

Thusis (Bild
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Um 11.30 ging es dann auf die wirkliche Bergtour. Der Einstieg
in die Viamala erfolgte über die Zufahrt zum Kraftwerk.
Von hier ging die alte Passstraße los.
Die noch gut erhaltene Straße steigt mit traumhafter Aussicht
auf die angrenzenden Berge kernig nach oben.
Im Vorfeld hatten wir uns Sorgen gemacht, ob es sinnvoll sei,
mit vollgefederten Mountainbikes die Alpen zu überqueren.
Aber kein Problem, unsere Dämpfungselemente waren regelbar
und von Aufschaukeln war keine Rede.
Waren wir vorher Reisegeschwindigkeiten von 20 km/h und mehr
gewohnt, mussten wir jetzt auf 6 bis 8 km/h zurückschrauben.
Oft war der unterste Gang die beste Wahl. Einziges Problem war
die mentale Überwindung, lange Anstiege gemächlich
anzugehen.
Die Straße steigt mal mehr, mal weniger, führt
durch kleine, durch den Fels gehauene Tunnels und bietet aber
meist einen traumhaften Ausblick ins Tal.
Nach drei Kilometern wurde es wieder flacher, die Straße
führt sogar kurz leicht bergab, aber nur, um wieder anzusteigen.
Nach einer kleinen Straßenetappe - die Ausflügler
nutzen diese Strecke zur Besichtigung - erreichten wir die wahre
Viamala: die tief in den Fels gegrabene Schlucht.
Die Viamala (Bild
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Klar, dass wir hier eine Pause mit Besichtigung einlegten.
Danach mussten wir nur noch wenige Höhenmeter hinter uns
bringen und gelangten dann ins Hochtal bei Zillis.
Nähere
Infos finden Sie auf unserer Tour Viamala
Die Zeit für eine kurze Besichtigung der romanischen
Kirche mit den einzigartigen Holztafeln nahmen wir uns.
Nach Zillis ging es nochmals bergauf, aber nur, um einen Hügel
zu überqueren. Der Weg nach Andeer begann mit der Hügelabfahrt!
Das gab wieder zusätzliche Höhenmeter!
Andeer ist ein bekannter Kurort. Wir fanden dort mehr Gaststätten
und Hotels als in den andern Orten, ..... und wie froh waren
wir wieder über den "Suuren Most"!
Nach Andeer steigt die Straße nochmals kräftig
an und überquert den Damm des Stausees Bärental. Am
Stausee entlang - er ist seltsam grün - erreichten wir die
ersten Serpentinen.
In der zweiten liegt das Gasthaus "Rofflaschlucht",
von dem aus die Rofflaschlucht in einzigartiger Weise betrachtet
werden kann.
Oberhalb der Rofflaschlucht (Bild laden)
Jetzt hieß es strampeln.
Das Tal wird hier eng und neue und alte Straße ringen hier
um die besten Positionen. Oft kreuzt die moderne Autobahn die
alte Fahrstraße, bevor sie wieder im Fels verschwindet.
Für uns hieß es durchhalten. Nach einer besonders
steilen Strecke, kam meist eine etwas flachere "Erholtour".
Das letzte Stück vor der Staumauer des Sulfner Sees hatte
es wieder einmal in sich. Die Temperatur war immer noch bei 30
Grad und die Trinkflaschen waren fast leer.
Wir trösteten uns mit dem Gedanken, dass Splügen nicht
mehr weit war.
Wir fuhren, wie beschildert, links um den Sulfner See.
Der Fahrbahnbelag erfordert grobe Reifen, aber die hatten wir
ja. Zwischen den Bäumen des angrenzenden Waldes war es eine
Wohltat zu radeln. Gegen Ende des Sees stieg der Weg an und traf
auf dieser Höhe die Straße und somit auch den Radweg
nach Splügen.
Hier trafen wir auf zwei Radler, die denselben Weg wie wir
hatten. Einer von beiden war in der Viamala gestürzt und
sah ziemlich lädiert aus. Hoffentlich sind beide wohlbehalten
angekommen.

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In Splügen machten wir um 16.00 Uhr nochmals Trink- und
Esspause. Nach einer halben Stunde brachen wir zum ersehnten
Ziel auf.
Auch nach Splügen ist der Radweg sehr gut ausgeschildert.
Er führt meist nicht auf der alten Passstraße, sondern
auf separaten Wirtschaftswegen. Ab und zu muss man dadurch zusätzliche
Höhenmeter erradeln, weil der Weg eben zu einem Hof nach
oben führt und kaum zwei Kilometer später wieder das
Tal berührt.
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So passierten wir Medels und nach einer weiteren Abzweigtour
vorbei an Höfen erreichten wir Nufenen.

Voller Spannung, wie es weitergeht, fuhren wir in Nufenen
ein. Rechts und links über uns begann es zu donnern und
zu blitzen.
Und plötzlich ein Ton, als wäre ein Schuss gefallen!
Schlauch und Mantel von Marcus' Hinterrad waren geplatzt!
Oh je!
Eine nähere Untersuchung ergab, dass mit Flickzeug nichts
zu machen sei. Werkzeug und Ersatzteile hatten wir genug, aber
einen neuen Mantel hatten wir nicht.
Bei einer einheimischen Frau erkundigte ich mich, ob es eine
Werkstätte oder einen Fahrradladen gäbe. Sie lachte
und verneinte, aber sie kenne jemanden, der auch so ein Fahrrad
hat. Sie zeigte mir das Haus.
Ich trat ein und suchte eine Klingel, aber so etwas braucht man
in so kleinen Orten nicht. Allein meine Anwesenheit reichte,
um eine junge Frau auf mich aufmerksam zu machen.
Ja, sie und ihr Freund hätten solche Räder. Sie holte
ihn und sofort war er bereit, uns einen ausgedienten - aber eigentlich
neuen - Mantel kostenlos zu überlassen.
Nochmals vielen Dank dem Unbekannten, der uns die Überfahrt
überhaupt noch ermöglichte.
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Noch einmal durften wir eine kleine Hangtour machen, dann
erreichten wir Hinterrhein.
Leider war das Gewitter näher gekommen und es begann leicht
zu regnen.
Inmitten eines Viehtriebes erreichten wir ein Vordach zum Unterstehen.
Hier glaubte ich, die Kuh Elsa hätte sich in mich verliebt.
So treuherzig sah sie mich an! Aber die Bäuerin meinte,
sie wolle nur meinen Apfel.
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Nach Hinterrhein pausierten wir noch an der Raststätte,
um einen letzten Apfelsaft zu trinken und die Trinkflaschen aufzufüllen.
Ob es denn regne, fragten wir die Bedienung. Nein, in Richtung
Süden sei es schön, es ziehe weg.
Ob man - zur Not - in einem Hotel auf dem Berg übernachten
könne? Klar, nur die Telefonnummer des Hotels wisse sie
nicht.
Völlig beruhigt nahmen wir uns die Serpentinen des Bernardino
vor. 450 Höhenmeter lagen noch vor uns.
Zumindest laut unserem Höhenmeter stiegen wir pro zwei Serpentinenhälften
etwa 30 Höhenmeter an. So zählten wir im Kopf, subtrahierten
und dividierten.
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Das Wetter begann auf der gegenüberliegenden Seite des
Rheins zuzuziehen. Auf unserer Seite blieb es hell.
450 minus sieben mal dreißig .. so ging es im Kopf ....
und ab und zu ein Blick auf die wahre Höhe des Höhenmessers.
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Die Serpentinen sind nicht sonderlich steil, entsprechend
gibt es eben viele. Wir schraubten uns gemächlich, aber
stetig in Passnähe.
Plötzlich begann es unvermittelt zu hageln und wir konnten
uns gerade noch unter einen Wasserbehälter retten.
Was tun? Die Gewitterfront kam immer näher und es schien
immer dunkler zu werden. Heftige Blitze, Regen, als hätte
man einen Schieber aufgemacht und es war schon nach acht Uhr!
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Als internes Limit hatten wir uns 20.30 Uhr vorgenommen, dann
wollten wir trotz Regen, zum vermeintlichen Hotel auf der Passspitze
laufen!
Keine zwei Minuten davor erschien plötzlich ein Wohnmobil
und wollte unter dem Wasserbehälter durchfahren. War das
die Hilfe?
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Der Fahrer entpuppte sich als Hirte, der nach seinen Schafen
geschaut hatte. Hilfe holen, sagte er, käme nicht in Frage.
Handys haben hier zuwenig Signalstärke! Taxis mit Transportmöglichkeit
für Fahrräder gäbe es höchstens in Splügen!
Das Hotel auf dem Pass - so ein Witz - sei eine heruntergekommene
Kneipe ohne Betten!
Was tun? Mit Hilfe seiner Frau konnten wir ihn überreden,
uns hinunter nach San Bernardino zu fahren. Bei starker Dämmerung
kamen wir an.
Wir entlohnten ihn reichlich. Ohne ihn hätten wir unter
dem Wasserbehälter übernachten , oder nass bei Dunkelheit
herunterfahren müssen.
Das Hotel hatte gerade noch ein Zimmer frei. Wieder mal auf
der ganzen Linie Glück gehabt!

Ohne zu Duschen saßen wir sofort am Tisch und bestellten.
Dann ging aufgrund des heftigen Gewitters das Licht aus.
Wechselnd bei Kerzenschein und normalem Licht saßen wir
und aßen unsere Bruscetta, dann Kalbsschnitzel mit Reis.
Natürlich gab es auch einen Merlot und unser Hauptgespräch
war, wieviel Glück wir an diesem Tag gehabt hatten.
Nach dem Essen duschten wir ausgiebig und schliefen mit dem
Wunsch, dass am nächsten Tag wieder besseres Wetter werden
wolle, ein.
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