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Die Anfahrt zum Bodensee war
mehr als regnerisch. Wahre Himmelsergüsse fielen während
der ganzen Fahrt aus den Wolken.
Bei Rheineck hofften wir, dass nach der Abzweigung ins Rheintal
die erwünschte Besserung käme. Gefehlt!
Ein heimlicher Blick auf die Gesichter der Mitfahrerinnen enthüllte
deren unausgesprochene Gedanken. Aber ich hatte immer noch die
Hoffnung, dass der Wetterbericht aus dem Internet: "Mittags
Aufhellungen und Sonne" stimmen würde.
Bei der Ankunft in Thusis regnete es aber immer noch heftig,
also war erst einmal Frühstück angesagt.
Eigentlich hatten wir die geplante Tour durch die Viamala schon
gedanklich auf später verschoben, als die Wirtsleute plötzlich
Tische und gepolsterte Stühle ins Freie brachten.
"Sind die mutig", war unser gemeinsamer Gedanke.
Doch kaum fünf Minuten später schob sich ein Sonnenstrahl
durch die Wolken und vertrieb die Wolkendecke. Kaum eine Viertelstunde
später war die Straße abgetrocknet.
Jetzt konnte unsere Tour beginnen.

(Seitenanfang)
Von der Stadtmitte aus fuhren
wir bis zum Kreisverkehr und folgten der normalen Beschilderung
"Via Mala" und glaubten natürlich richtig zu sein.
Erst als uns zwei Rennradler überholten, wussten wir, dass
es eine weitere, weniger befahrene Straße geben musste.
Ein Blick ins Tal zeigte uns auch diesen Weg und wir fanden die
Zufahrt unter dem Kreisverkehr.
Unser Weg war die alte Passstraße, die zugunsten der wesentlich
besser ausgebauten und dynamisch durch Tunnels und über
Brücken geführte Bundesstraße aufgegeben wurde.
Der Fahrbahnbelag ist noch gut, man sollte aber trotzdem vorsichtig
fahren, weil hier der Straßendienst die aus den Bergen
herabfallenden Äste und Steine seltener beseitigt, als auf
der vielbefahrenen Bundesstraße.
Auf unserem Bild sieht man "unsere" Straße, die
bessere Bundesstraße führt leicht bergauf und verschwindet
in einem Tunnel.
Blick in die Via Mala (Bild laden)
Die Straße führt leicht
bergab ins enge Tal des hinteren Rheins und folgt dann bergauf
der steilen Felswand. Auch wenn es vorher nicht regnete, sind
die Fahrbahnränder oft nass und glitschig, also Vorsicht.
es geht nach oben (Bild laden)
Herrlich sind die Ausblicke auf
die Felsenwände. Voll von kleinen und größeren
Wasserfällen, die die Regenmassen der vormittäglichen
Regenfälle in die Tiefe ableiten.
Ein kleiner Tunnel, an dessen Eingang kleine Regenbögen
längs der Regenrinnsale schimmern.
Ein Halt folgt dem anderen. Hier ein Blick nach hinten auf Thusis
zu, dort ein schöner Blick in die Tiefe.
Unbemerkt zählt der Höhenmeter schon zweihundert zurückgelegte
Höhenmeter.
Der Radweg verengt sich auf einer Kuppe in einen nur einen Meter
breiten Weg und mündet dann in den Abzweig der Bundesstraße
zur Viamala.
Hier begegnen wir erstmals wieder Fahrzeugen.
Die Straße fällt wieder etwas ab und in einer kleinen
Talfahrt erreichen wir den schönsten Teil der Schlucht.
Blick auf die Brücke (Bild laden)
Schon die Römer nutzten
die Via Mala als kürzesten Weg zwischen Oberitalien und
Bodensee. Bei der Führung in die Tiefen der Via Mala (Eintritt
3.00 SFR) erfährt man mehr.
Die Besichtigung der Schlucht, auf der man erst mal fast 300
Stufen nach unten steigt, lohnt auf jeden Fall. Hier ersteigt
man sich die von oben kaum nachvollziehbaren Dimensionen.
Hundert Meter Tiefe lassen sich eben doch besser vorstellen,
wenn man daneben Menschen sieht.
In der Schlucht (Bild laden)
Obige Aussichtsterrasse zeigt allein schon
das Verhältnis von Kieselstein zu Mensch. Beim Blick nach
oben auf die, die Schlucht überspannende Brücke, fehlt
dieser Vergleich.
Die Aussicht ist aber auf jeden Fall äusserst beeindruckend.
Klar, dass hier viele Busse ihren Sightseeing-Stopp einlegen,
aber Gott sei Dank führt für Omnibusse dieser Aussichtstripp
wieder sofort auf die Bundesstraße zurück.
Blick aus der Schlucht (Bild laden)
Nach dem Aufstieg ist die Erkundung der beiden
Steinbrücken zu Fuss ein Muss. Die ältere Brücke
ist schon sehr alt und entstammt dem Mittelalter. Die breitere,
neuere ist Teil der alten Passstraße.
Blick von der Brücke (Bild laden)
Auch nach oben, in Richtung Zillis bietet
sich ein unvergesslicher Blick in das enge Tal. Das Wasser des
"Hinteren Rheins" hat sich auch hier tief in den Fels
gefressen.
Blick in die Schlucht (Bild laden)
Nach der eigentlichen Via Mala steigt die
Straße noch einmal an, führt dann aber wieder bergab
und überquert den Fluss. Neben der Bundesstraße führt
unser Weg auf Zillis zu.
Rechts über uns klebt förmlich eine Kirche am Berg.
Es ist laut Karte der Ort Mathon, der über 600 Meter höher
(1527 m) liegt.
Zur Anfahrt auf Zillis nehmen wir die Talstraße und erreichen
das kleine Kirchenmuseum, das natürlich immer von Bussen
belagert ist. In einem kleinen Museum kann hier die Geschichte,
der Kirche von Zillis erkundet werden.

(Seitenanfang)
Schnurstracks an den Touristen vorbei fahren wir direkt zur kleinen
romanischen Kirche, lehnen unsere Räder an die Kirchenmauer
und betreten die schlichte Kirche, deren Ursprung im fünften
Jahrhundert liegt.
Die Kirche von Zillis (Bild laden)
Der Innenraum ist karg, die bemalte
Holzdecke ist der einzige Schmuck. Aber die hat es in sich. Sie
ist die einzig erhaltene romanische Holzdecke dieser Art. Sie
stammt aus dem mittleren 12. Jahrhundert.
153 nahezu quadratische Bilder bilden die Holzdecke der Kirche
und machen das Balkenwerk unsichtbar.
Die mittleren Bilder beschreiben einen heilsgeschichtlichen Bilderzyklus,
die Randbilder zeigen Phantasiewesen, die den bösen Geistern
wehren sollten.
Die romanische Holzdecke (Bild laden)
Bis zum 16. Jahrhundert hatte die Kirche durch die zahlreichen
Reisenden großen Zulauf, sodass man die Kirche gotisch
erweiterte. Glücklicherweise wurde dieser Umbau nicht konsequent
vollzogen, und die nun eigentlich stilfremde Decke konnte bleiben.
Am Ortsausgang (Bild
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Die Straße durchquert den
Ort und führt ohne größere Steigungen auf Andeer
zu. Schon aus der Ferne fällt das markante Hotel am Stadteingang
auf.

(Seitenanfang)
Andeer ist touristisch sehr gut erschlossen. Über mangelnde
Möglichkeiten an Erfrischungen kann man sich nicht beklagen.
Wirtschaft an Wirtschaft (Bild laden)
Wir setzten uns in die gleisende Sonne und tranken unseren "Suure
Moscht" mit Mineralwasser.
Den "Suure Moscht" verdient
(Bild laden)
Während einer Lästerminute über das Wetter bei
den Daheimgebliebenen drehten wir uns um und sahen eine schwarze
Gewitterwand. Schnell und heftig kam sie auf uns zu, lud bei
uns aber nur einige wenige Tropfen ab.
Nach einer guten Viertelstunde
ging es weiter.
Glücklicherweise haben wir viel getrunken. Die Straße
steigt steil an und überquert die Bundesstraße, die
Andeer in weitem Bogen umfährt.
Danach wird es nochmals heftig! Über zehn Prozent steigt
die Straße bis zu einem Waldstück, hinter dem sich
die Ursache der starken Steigung - der Damm eines Stausees -
verbirgt.
Eigentümlich grün schillert das Wasser des Sees, obwohl
die Sonne und der extrem blaue Himmel darüberstehen.
Grünes Wasser? (Bild laden)
Nach dem Stausee beginnt wieder
eine steilere Etappe. In mehreren Serpentinen steigt die alte
Passstraße zur Rofflaschlucht an.

(Seitenanfang)
Das alte Hotel am Straßenrand
birgt ein menschliches Schicksal.
Gemeint ist nicht das Schicksal aus dem Fernsehstück mit
Mario Adorf, das hier spielte, sondern ein echtes Schicksal mit
Happy End.
Das Rofflahotel (Bild
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Die Wirtsleute verarmten, als der Eisenbahntunnel
durch den Gotthard die Transporte über die Alpen immer weniger
werden ließen. Schließlich gaben sie Ende des letzten
Jahrhunderts das Hotel auf und wanderten nach Amerika aus.
Dort verdingte sich ein Sohn des Hauses als Diener und reiste
mit seinem neuen Herrn durch die Welt. Am Niagarafall erkannte
er, dass mit Naturschauspielen auch Geld zu verdienen sei.
Da an seinem heimatlichen Haus der Rofflawasserfall in die Tiefe
stürzt, aber fast niemand ihn richtig sehen kann, ging der
Hoteliersohn wieder zurück und meiselte in jahrelanger Handarbeit
einen Tunnel unter dem Rhein hindurch, um einen neuen, außergewöhnlichen
Aussichtsplatz am Wasserfall zu schaffen. Mit Erfolg für
ihn, dieses persönliche Engagement sicherte fortan seinen
Lebensunterhalt.
Noch heute kann gegen eine Gebühr von SFR 1,50 der Stollen
benutzt werden.
Der Radweg führt jetzt in steilen Serpentinen
nach oben, oft mit einem Traumblick in die tiefe Schlucht. Zehn
bis zwölf Prozent auf kleinen Stücken, da weiß
man, was bergfahren heißt.
Die Bundesstraße kreuzt bis zum Sufnersee noch drei Mal
auf gewagten, modernen Brücken.
Moderne Konstruktionen (Bild
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Kurz nach der steilsten Stelle (der unterste
Radkranz reicht gerade so aus) verdunkelt sich der Himmel aufs
Neue.
Wir erreichen eine Einfahrt zu einer Straßenservicestelle
und retten uns unter das Dach eines Holzschuppens.
Eine gute Viertelstunde gießt es wie aus Kübeln und
hellt danach wieder richtig auf.
Der Unterstand (Bild
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Nachdem die Zeit durch Besichtigungen und
auch durch Wartezeiten, bedingt durch den Regen, weit fortgeschritten
war, entschlossen wir uns, die restlichen vier Kilometer bis
zum Ort Splügen zu sparen und wir machten uns auf den Rückweg.
Für die beiden Damen war es erstaunlich
und erst auf der Abfahrt richtig nachvollziehbar, welche Höhe
wir zurückgelegt hatten.
Vorbei an der Rofflaschlucht erreichten wir erst Andeer und dann
Zillis.
Sperrschilder auf der Straße ignorierten wir, weil wir
dachten sie gälten nur für Autos.
Erst als wir kurz vor der Via Mala fuhren, bemerkten wir, was
geschehen war: Das Gewitter war in dieser Gegend so stark, dass
ganze Bäume entwurzelt wurden und zusammen mit Erde und
Geröll auf unsere Straße und in die Schlucht fielen.
Ein Aufräumkommando war schon mit Raupen und Bulldozern
vor Ort.
Ein Glück, dass niemand zu Schaden kam.
Bergrutsch (Bild
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Für uns war es eine sehr schöne
und beeindruckende Tour, die trotz der vielen Höhenmeter
viel Spass gemacht hat.
Nächstesmal gehts über den St. Bernhardino
nach Locarno!
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